Wieder zurück zu den Wurzeln
Der Bildhauer Ubbo Enninga möchte seine Werke nach Biedenkopf bringen
Biedenkopf. Noch nie traf ich jemanden, der so denkt, wie Ubbo Enninga. Über die Welt und den Menschen, seine Einzigartigkeit und Bedeutung für die Zeit, in der er lebt und den Ort, an dem er geboren wurde. Ubbo Enninga wurde in Biedenkopf geboren. Vor 57 Jahren. Er ist Bildhauer geworden, lebt in Berlin und Stuttgart. Und jetzt führt ihn sein Weg wieder nach Biedenkopf zurück. In gewisser Weise schließt sich damit der Kreis.
Bereits mit 17 Jahren, noch vor dem Abitur an der Lahntalschule, spürte Ubbo Enninga, dass er Bildhauer werden müsse. „Es war eine Inspiration“, sagt er, und sie war so stark, dass nichts und niemand ihn davon abbringen konnte. Heute weiß Enninga: „Bildhauer zu sein, ist meine Berufung.“
In seinen Skulpturen kann er zum Ausdruck bringen, welches Bild er vom Menschen hat, aus welcher Perspektive er die Welt sieht. Er kann es dem Betrachter vermitteln und in diesem ein Fenster öffnen, so dass die Seele Flügel bekommt. „Kunst bietet die Möglichkeit, dass man aus dem Alltag gerückt wird, man schwingt in eine geistige Sphäre, man weitet sich, alles wird groß.“
Ubbo Enninga widmet sich vor allem dem Porträt. Zahlreiche Köpfe hat er schon geformt, darunter die von bekannten Persönlichkeiten, wie etwa Edvard Munch, Erwin Piscator oder Ferry Porsche. Aber auch zahlreiche andere, die sein Interesse finden.
Daneben schafft der Künstler Skulpturen, manche bis überlebensgroß, die im Innen- und Außenbereich Platz finden. Aus Bronze, Aluminium, Eisenguss oder Holz. Für das Porträt verwendet er manchmal auch Terrakotta. Von ihm sind etwa der Heilige Bonifatius auf dem Domplatz in Fritzlar, das Seelenmal auf dem Kirchplatz in Wangen im Allgäu, und El Niño, der bei Radolfzell im Bodensee installiert ist.
Ihn, der die Wassermassen beruhigt, schuf Enninga 1997, als in den 90er Jahren Wetterphänomene wie Unwetter im Pazifik und starke Regengüsse die Schlagzeilen beherrschten. „Ich wollte etwas schaffen, was bei dieser Problematik gut tut“, sagt Enninga. Seine Figur sollte etwas Heilendes haben. Und wer sie betrachtet, findet es gleich, spürt es. El Niño bringt Ruhe, gebietet den Naturgewalten Einhalt, macht heil.
Er ist es, den Ubbo Enninga nach Biedenkopf bringen möchte. Gerne in diesem Jahr, noch vor dem Grenzgang. Er soll einen Platz finden in der Lahn, zwischen dem Steg zur Bleiche und dem Wehr. Ein Geschenk des Künstlers an die Stadt, in der er geboren wurde. Eine Dauerleihgabe. Weil sich für Ubbo Enninga hier der Kreis schließt.
Bei den Köpfen, wie die Berge rund um das alte Kreisstädtchen im Volksmund heißen. Hier, davon ist Enninga überzeugt, hat sich seine Seele, die von Anbeginn war, 1955 inkarniert. Hier suchte sie sich Eltern und wurde in einen Körper geboren.
Seelen sind – und von Zeit zu Zeit wohnen sie in einem Körper. Mit dem Tod verlässt die Seele diesen wieder, um in der geistigen Welt zu sein. Vielleicht inkarniert sie sich irgendwann in einen neuen Körper. Der Tod ist für Enninga deshalb nur eine neue Geburt.
„Der Körper“, so sagt der Mann mit dem friesischen Namen, „wird von der Seele bewohnt. Sie hält ihn am Leben.“ Damit unterscheidet sich Enninga von vielen anderen Menschen, die sich über ihren Körper definieren.
Körper und Seele sind für ihn eine untrennbare Einheit und nur gemeinsam bilden sie den Menschen. Diesem Wissen werde zu wenig Beachtung geschenkt, gerade auch im medizinischen Bereich, wo oft nur die Symptome behandelt würden, die Seele jedoch außer Acht gelassen werde. Krebs, so sagt er in diesem Zusammenhang, sei für ihn ein biologisches Sonderprogramm.
Oft sei der Erkrankung ein Schockerlebnis vorausgegangen, woraufhin der Körper mehr Zellen produziere. Enninga plädiert dafür, diese Ursachen zu suchen. Über allen seinen Arbeiten steht der Wunsch, etwas Heilendes zu schaffen. Immer steht der Mensch im Mittelpunkt. Seine individuelle Besonderheit wird für Enninga nirgends deutlicher als im Porträt.
Es ist für ihn der pure Ausdruck einer Seele. Und es war schon immer seine Leidenschaft. Deshalb, weil das Bilden von Köpfen seine Passion ist, wendet sich Enninga wieder der Stadt Biedenkopf bei den Köpfen zu.
„Ich habe bis vor kurzem viel expandiert, habe ein Atelier in Stuttgart und eines in Berlin. Ich habe viele Ausstellungen gemacht. Jetzt fühle ich: Ich möchte mich konzentrieren, möchte zum Wesentlichen kommen“, sagt Ubbo Enninga. Es sei wie einatmen und ausatmen. Und seine Vision ist, seine Arbeiten nach Biedenkopf zu bringen. Dahin, wo er herkommt. „Denn“, so sagt er, „eigentlich denke ich, dass jeder seine Aufgaben vor allem da hat, wo er geboren wurde.“
Ubbo Enninga stellt sich vor, ein Museum in Biedenkopf zu haben. Vielleicht eine Stiftung zu gründen, die es trägt. Kleinere Arbeiten könnten in dem Haus stehen, größere auf einem Außengelände. Bekannte und Freunde von ihm bezweifeln diese Idee – hochwertige Kunst in so einem verschlafenen Nest? Doch Enninga hat ein Bild vor Augen: das landschaftlich traumhaft gelegene Biedenkopf, das dann nicht mehr ganz so verschlafen ist. Alles, was er dazu braucht, ist ein bisschen Resonanz, von den Biedenkopfern, die derzeit unter den Köpfen leben.
Tina Fischbach-Nispel, Hinterländer Anzeiger, 15.04.2012
 
Notruf
Taeuschend echt muss die Steinfigur (Korrektur: es handelt sich um eine Bronzeskulptur) mit Name "El Nino" in Radolfzell am Bodensee (Kreis Konstanz) auf einen Jugendlichen gewirkt haben. Ueber Notruf verstaendigte der 15-jaehrige die Polizei, dass eine kaum bekleidete Person im seichten Ufergewaesser sitze und nicht ansprechbar sei, teilte die Polizei Konstanz am Freitag mit. Polizei, Rettungswagen und ein Notarzt eilten los, um die vermeintlich lebensmuede Person aufzugreifen. ...
lsw, Stuttgarter Zeitung, 10.09.2011
 
Können Sie rechnen?
Ein Kommentar auf einen Artikel in den Mittelstandsnachrichten vom 31.10.2011 (s.u.) lautet:
... Wir leben in einer Diktatur der Konzerne und Banken, Politiker sind deren willfährige Vollstrecker, die Medien sorgen für den schönen Schein. Das zugrundeliegende Problem, das Zinseszinssystem und dessen Problematik wird nirgendwo thematisiert. Es gibt keinen Ausweg, als dieses zu reformieren.
Können sie rechnen?
Es sind weltweit etwa 1500 Billionen $ an Derivatprodukten angelegt, die ca. 5% Zinsen bringen sollen. Das Weltbruttosozialprodukt beträgt ca. 55 Billionen $. Die verfügbaren Waren weltweit betragen 2 Billionen $. Die Zinsen, die allein für die Derivatprodukte, die weltweit erwirtschaftet werden müssen betragen 75 Billionen $.
Es fehlen also weltweit 20 Billionen $ jedes Jahr und die Summen steigen exponentiell.
Diese werden derzeit durch Kredite realisiert, dazu kommen Konsumentenkredite Firmenkredite und die Staatsschulden. die auch wieder Zinsen bringen sollen. Fällt Ihnen etwas auf? Richtig: Es geht nicht. Das Zinseszinssystem ist Betrug an denen, die das Geld erarbeiten, dem Volk. Das Geld arbeitet nämlich nicht selber, irgendjemand schwitzt immer dafür am Ende der Kette. Es fällt zu Beginn dieses Ponzi-Schemas kaum auf, aber am Ende, wenn es ins exponentielle Wachstum geht, schon. Das System wird nur aufrecht erhalten, solange es geht, damit die Schuldner die letzten Besitztümer zum Schuldendienst aufwenden. Somit wird ausgeblutet und verarmt bis zum Gehtnichtmehr. Dieses ist nun erreicht. Wehe EUCH, wenn das der kleine Mann begreift.
http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/10/29999/#comment-3343
Enninga will Gegensätze ausgleichen
»My African Soul«
Galerie Peter Herrmann thematisiert den Ausgleich
Von Robert Meyer
Aus der Erde in den Himmel! Ubbo Enningas Figuren strahlen etwas Verwurzeltes aus. Sie wirken stark geerdet, aber ohne am Boden endgültig kleben zu bleiben. Diesen Figuren ist jede Zerrissenheit fern, sie haben etwas Kraftvolles, weisen über sich selbst hinaus. So, als ob die Erde über Enningas Figuren dem Himmel die Hand reichen würde.
Der in Stuttgart lebende, aus Friesland stammende und mit einer Afro-Amerikanerin verheiratete Künstler stellt den Menschen ins Zentrum seines Schaffens. In »My African Soul«, bis 5. August in der Galerie Peter Herrmann zu sehen, umkreist Enninga den afrikanischen Anthropos, zeigt ihn in realen Abbildungen und in mystischen Verweisen. Zu sehen sind Porträts und Figuren aus Ton, Eisen und Bronze.
In Enningas Figuren steckt eine Urkraft, der man sich kaum entziehen kann, eine beständige Energie, nichts Flüchtiges und Vergängliches. Manche Figuren will man berühren, mehr noch, man würde sie gerne hören, ihnen eine Stimme geben, damit sie ihre Geschichte erzählen können. Noch etwas ist bemerkenswert, diese Kunst ist völlig ohne Arroganz. Das Thema »Verwurzeln« zieht sich durch das gesamte skulpturale Schaffen des Künstlers, ist der Aspekt, der den Figuren etwas gibt, was man als afrikanische Weisheit bezeichnen könnte. Materielle Basis und Kopf, das ist für Enninga eine Symbiose. Geist, symbolisiert durch den Kopf, bedeutet das Tor zum Kosmos. Geist braucht jedoch zu seiner Entfaltung ein materielles Fundament, eine tragfähige Verankerung. In dieser Vorstellung kommt wohl auch eine tiefe Erfahrung der Afrikaner in den letzten Jahrhunderten zum Ausdruck. Für positive Entwicklungen braucht man stabile Grundlagen und dafür Frieden.
Ubbo Enninga will Gegensätze ausgleichen. Das uralte Drama des richtigen Verhältnisses zwischen Geist und Körper, Himmel und Erde macht eindrucksvoll eine im Raum hängende Skulptur im ersten Stock der Galerie sichtbar: Eine von zwei identischen männlichen Figuren kniet mit ausgebreiteten Armen auf einer Plattform, die zweite hängt kopfüber in einem der kreisförmig angelegten Löcher. Das Thema Oben und Unten findet sich hier nicht nur in der Blickrichtung der beiden Figuren. Es wird auch durch die Handstellung aufgegriffen und vor allem durch Farbe betont. In periodischen Abständen werden in der Galerie Künstler mit europäischer Herkunft gezeigt, deren Arbeitsinhalt eine Überschneidung mit Afrika hat. Diese Kooperationen sind eine Vorarbeit für eine als Austauschprojekt geplante Ausstellungsreihe in afrikanischen Ländern und hier.
Neues Deutschland, 17. Juli 2006
Wie Die Echte Mona Lisa
Wie die echte Mona Lisa blickt auch die von Enninga geschaffene Veronika Jüngst dem Betrachter ins Auge – egal aus welcher Richtung er auf das Kunstwerk schaut.
mal, Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 9. Juli 2005
 
Stilleben Am Bodensee
Stilleben am Bodensee ... Irritierte Blicke erntet diese Figur (El Niño) in Radolfzell ... mitunter auch neidische Blicke.
Süddeutsche Zeitung, 27. Juni 2003
 
Stützen Und Erden
... Stützen und Erden, Verwurzeln – das sind Aspekte, die sich durch das gesamte skulpturale Schaffen des Stuttgarter Künstlers Ubbo Enninga ziehen. Materielle Basis und Kopf, das steht für Enninga für eine Symbiose: Geist, symbolisiert durch den Kopf, bedeutet, so der Künstler, das Tor zum Kosmos, zur Transzendenz. Geist braucht jedoch zu seiner Entfaltung ein stabiles materielles Fundament, eine tragfähige Verankerung. Diese findet er in der geerdeten Stütze zum Boden. ... Afrikanische Köpfe inszeniert der Künstler nächst dem Akt einer europäischen Dame, ein weißes Gesicht gegenüber den Köpfen einer afrikanischen Frau und eines Mannes. Enningas Gespräch zwischen Europa und Afrika steigert noch die Bedeutung seiner in seinen Figuren dokumentierten Einheit von Körper und Geist: Das Bild der Einheit sei »eins in allen Kulturen«.
Alexia Sailer, Südkurier, 24. Januar 2003
 
Ferdinand Porsche
... Seine Aufträge haben eine weite Bandbreite. So erinnert ein Relief an Ferdinand Porsche, den Erfinder des VW Käfers. Und im Landtag in Stuttgart stehen seine Portraits der früheren Landtagspräsidenten Erich Schneider und Lothar Gaa. In der ganzen Bundesrepublik, zwischen Hamburg und München, waren seine Werke zu sehen – so beispielsweise bei den Triennalen in Fellbach, den Großen Münchener Kunstausstellungen und im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart. Auch in Paris hat er ausgestellt. Die Liste seiner Ausstellungen ist lang. ...
Eva Schäfer, Cannstatter Rundschau, 22. Januar 2003
 
Wangener Seelen-Mal
Mit Ubbo Enninga ist für die Umsetzung dieser zwischen Stadt und Kirchengemeinde St. Martin als Grundstückseigentümerin gereiften Idee, ein »Wangener Seelen-Mal« zu errichten, ein ungemein sensibler, aber auch kraftvoll und besonnen arbeitender Mann gefunden worden. Gleichzeitig zeigte sich der Geistliche etwas erstaunt darüber, dass die durch das Gießen der Figur entstehenden Überläufe so erhalten bleiben sollen.
Vera Stiller, Schwäbische Zeitung, 28. Mai 2002
 
Bonifatius-Gipsmodell
Einige Stufen müssen erklommen werden bis zur Bonifatius-Etage im Grauen Turm, doch der Aufstieg lohnt sich. Auf der obersten Plattform von Deutschlands höchstem Wehrturm steht jetzt das von dem Künstler Ubbo Enninga geschaffene originale Bonifatius-Gipsmodell, nach dem die Bronze auf dem Domplatz gegossen wurde.
zzp, Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 6. November 2001
 
Neoarchaische Formgewalten
Neoarchaische Formgewalten in Holz und Metall entfesselt der Stuttgarter Künstler Ubbo Enninga ... Der gigantische, innen hohle Stamm eines afrikanischen Wawa-Baumes, in Längsrichtung geteilt, bewacht mit seiner stummen Majestät das Oeuvre Enningas.
Georg Leisten, Stuttgarter Zeitung, 22. Mai 2001
 
Erzbischof Dyba
Zuletzt sei er voriges Jahr zum Bonifatiusfest hier gewesen. Das Denkmal auf dem Domplatz, erinnert sich Conrad, habe Erzbischof Dyba stark beeindruckt. Im kleinen Kreis habe er seine Hochachtung zum Ausdruck gebracht.
rgb, Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 24. Juli 2000
 
Seltsam Fremde
... seltsam fremde, mystische, sehr typisierte Köpfe, gearbeitet aus einem Stück des schweren, harten Padouk-Holzes. Machtvoll ist Enningas Kunst.
Karin Derstroff, Donaukurier, 11. Juli 2000
 
Tiefere Erkenntnisschichten
Enninga übt sich im Einfachen. Einfach heißt, das »Normale« zum Außergewöhnlichen machen. Denn der Künstler kann tiefere Erkenntnisschichten ansprechen ...
Wilhelm Baumgärtner, Ludwigsburger Kreiszeitung, 1. Februar 2000
 
Traumpfade
Traumpfade ... Den Übergang von fließender, schmelzender, ungeformter und ungebändigter Materie zu geschaffener Gestalt zeigt Ubbo Enninga in seinem auseinanderspritzenden Zinnguss mit dem Titel El Niño. Mit diesem Namen verbindet sich eine Vorstellung von entfesselten Elementen und einer unberechenbaren, letztlich auch nicht zu beherrschenden Natur. Der Mensch tritt dem als das Geschaffene, das Metamorphe und auch als der Schaffende selbst gegenüber.
Christian Stolz, Stuttgarter Zeitung, 9. September 1999
 
Gemeinschaftsstiftendes Werk
Mit viel Anerkennung und Sympathie nahmen die Fritzlarer bei einem kleinen Volksfest ihren Bonifatius in ihre Mitte auf: Enninga hat offenbar ein gemeinschaftsstiftendes Werk geschaffen. ... und einen besonderen Höhepunkt zum Stadtjubiläum beigesteuert. Die Plastik des Stuttgarter Künstlers hat das Potential, das Wir-Gefühl unter den Fritzlarern zu stärken.
asz, Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 7. Juni 1999
 
Aus Dem Gleichgewicht
Aus dem Gleichgewicht geworfener Mensch ... »Elcilyn« beherrscht den Raum. Ubbo Enninga stellt sich dem Phänomen Mensch. Es entstehen verblüffende Charakterstudien der menschlichen Verletzlichkeit aus denen die Frage des Umgangs mit der inneren Balance brodelt.
Michaela Adick, Heilbronner Stimme, 13. August 1998
 
Liebespaar
Mit »Liebespaar«, einer sensiblen Gefühl vermittelnden Skulptur, mit »Eros«, einem übergroßen Penis, mit »Schwangere« und »Geburt« spricht Ubbo Enninga mit kraftvoll gestalteten Figuren dann ein Thema an, das so alt ist wie die Menschheit.
Gudrun Gscheidle-Katz, Haller Tagblatt, 14. Januar 1998
 
Ordnung Und Chaos
Ubbo Enninga hält sich an Paul Valérys zwei Welten: Die eine ist die Ordnung, die andere das Chaos. ... er verweigert ihnen die Glätte der Ordnung, indem er das Chaos, aus dem sie geboren wurden, sichtbar werden lässt. Das irritiert, öffnet aber Erkenntniswege vom körperlichen Ausdruck in psychische, existentielle Befindlichkeiten. ... voll Sinnlichkeit und statuarischer Würde.
Monique Cantré, Reutlinger General-Anzeiger, 27. November 1997
 
Kein Blankpoliertes Marmorpathos
Die Universität ehrt Alt-Rektor Professor Ernst Friedrich Pfeiffer mit einer Büste. Das ausgefallene Kunstwerk von Ubbo Enninga provoziert unterschiedlichste Reaktionen. ... Im Foyer der Medizinischen Klinik Ulm fiel das weiße Tuch und gab eine Büste frei, die der Stuttgarter Künstler Ubbo Enninga gestaltet hat: Aus dem Kopf stehen grobe Nägel hervor, die glatte Bronze versteckt sich unter rauhem Gips. Trotzdem sind Pfeiffers Züge unverkennbar. Dr. Margret Pfeiffer, die Witwe, ist von dem Ergebnis angetan. Pfeiffers langjährige Sekretärin Rosemarie Seiffert vermisst die Lachfalten. Enninga lächelte – dem ruhigen Mann mit dem Pferdeschwanz gefiel das kontroverse Echo. ... Wer hätte das gedacht: An der Uni ist ein Denkmal aufgestellt worden. Und ausgerechnet für Ernst Friedrich Pfeiffer, der sich mit seinem Temperament, seiner Durchsetzungskraft und seinem manchmal ziemlich rauhen Charme nicht nur Freunde geschaffen hat. Guido Adler hat mit der Büste ein erstaunlich gutes Gespür für schöne Gesten bewiesen. Verblüffend deshalb, weil er ja ein Mann der SPD ist, die es mit den Denkmälern nicht so hat. Allerdings ist Ubbo Enninga auch ein Werk gelungen, das an Heldenverehrung mit blankpoliertem Marmorpathos noch nicht mal denken lässt.
Birgit Hübner-Dick, Südwest Presse Ulm, 26. November 1997
 
Verletzlichkeit Des Menschen
... Es geht um die Verletzlichkeit des Menschen – Vergänglichkeit, aber auch Entstehung scheinen hier angedeutet. Die Arbeiten ... erscheinen eher wie symbolische Darstellungen an sich.
Anja Allmeritter, Reutlinger Nachrichten, 18. November 1997
 
Verbindung Zum Kosmos
... Zum anderen ist ungewöhnlich, wie der Bildhauer den Entstehungsprozeß einer Metallplastik in das fertige Ergebnis mit den Resten der Gusskanäle einbezieht. Ohnehin sind seine Figuren – ausschließlich Menschen – Geschöpfe zwischen Erde, fast schmerzhaft an sie gebunden, und Himmel, mit ihrer Gestik zu ihm aufstrebend. Dafür steht auch die vieldeutig deutbare »Geburt«, in der der Mann die Gebärende weit über sich hinaushebt, während das Kind den Weg zur Erde sucht. ... mit Nägeln in den schönen Köpfen, ... die Wirkung verstärkt sich bei den Originalskulpturen, vor allem bei der Stille verströmenden schönen jungen Frau mit den afrikanischen Zügen. Es muß dahingestellt bleiben, ob Leid gemeint ist oder Enninga damit eine künstlerische Verbindung zum Kosmos schaffen will, als dessen Teil er den Menschen sieht. Ein erfahrbarer Eindruck, den auch sein kleines Selbstporträt nicht ausschließt.
Marianne Strohbach, Stuttgarter Zeitung, 23. September 1995
 
Einfühlsam Und Respektvoll
Erhaben in der Balance ... Enningas handwerkliche Fähigkeiten bürgen für jenes »Können«, welches ein nicht zu unterschätzender Teil des Publikums vom wahren Künstler nach wie vor erwartet. ... Nicht wenige Beispiele belegen, wie einfühlsam und respektvoll der Bildhauer seinem Gegenüber im Portrait begegnet.
Rainer Vogt, Stuttgarter Nachrichten, 17. Februar 1995
 
Risse, Einkerbungen Und Astansätze
Von dem Stuttgarter Bildhauer Ubbo Enninga sieht man Werke, die den Menschen zum Thema haben. Diese Exponate haben den höchsten künstlerischen Rang in der Ausstellung »Holz-Wege«. Der Künstler belässt das Holz vielfach in seiner natürlichen Eigenheit. Auch Risse, Einkerbungen und Astansätze sind unverändert geblieben, wurden zum Bestandteil der Artikulation der figurativen Skulpturen
wes, Kornwestheimer Zeitung, 16. Februar 1993
 
Form Als Geformtes
... Eine schlanke männliche Figur mit erigiertem Phallus trägt eine gebärende Frau in Hockstellung, die Beine weit gespreizt, die Arme wie zum Gebet nach oben gestreckt. ... die Spuren des künstlerischen Entstehungsprozesses sind als Teil des Werkes festgehalten: die Geburt der »Geburt«. Die Demonstration der Form als Geformtes und damit die Rückverwandlung des räumlich-präsenten, plastischen Kunstwerks in einen Vorgang ist überhaupt der zentrale ästhetische Gedanke der Schau.
pro, Ludwigsburger Kreiszeitung, 2. Februar 1993
 
Visionäres
... gibt den Arbeiten etwas Visionäres. Es scheint, als ob sie aus der chaotischen, ungeordneten Masse herausgewachsen sind, die sie auch wieder zu verschlingen droht.
nar, Stuttgarter Zeitung, 24. Januar 1992
 
Formvereinfachung
... In groben Zügen bearbeitet Enninga mit Vorliebe tropische Hölzer zu einfachen Figuren und Portraits, deren Ausdrucksstärke aus der Formvereinfachung resultiert. Formgebung und Material werden so zum eigentlichen Thema der bildhauerischen Arbeit. ... er legt damit den dunklen Kern des Padouk-Holzes – fast symbolhaft für die eigene Befindlichkeit – frei.
Petra von Olschowski, ZYMA Art today, Nr.2 1991
 
Eigenständige Wirkungen
Die Aktdarstellung kann ... völlig eigenständige Wirkungen hervorrufen. Die Nähe zur Natur und die selbstverständliche Balance verraten in der Differenziertheit der formalen Mittel eine schwer erkämpfte Harmonie, die um so beeindruckender ist.
Renée Schipp, Berliner Morgenpost, 20. Mai 1991
 
Kulturpreis
... Der von der Oberhessischen Presse gestiftete Kulturpreis , eine Skulptur des Künstlers Ubbo Enninga, ist der erste bundesdeutsche Preis für die Sparte Bewegungstheater ...
Lotte Kasten, Hinterländer Anzeiger, 5. Juli 1989
 
Boot
... Das »Boot« ist schon zu einer viel bestaunten Sehenwürdigkeit in der Bundeshauptstadt geworden. Für sein Werk in der Hessischen Landesvertretung hat Enninga in erster Linie der Raum inspiriert: das hoch aufragende Treppenhaus mit der Eiche-Vertäfelung, die nahelegte, eine Skulptur aus demselben Holz zu schaffen. Nach und nach gewann die Form eines hochgestellten Bootes Gestalt – Symbol für den Begriff, »daß wir alle in einem Boot sitzen«. Die Gestalt der Frau, die gewissermaßen alle im Boot durch das Gebende und Schenkende und als Trägerin des Lebens hält, kam hinzu. So entstand ein Werk, das große Aussagekraft besitzt ...
Karl Schmidt, Hinterländer Anzeiger, 28. Dezember 1987
 
Stipendiaten
Stipendiaten der Kunststiftung ... Zwischen zwei Auffassungen, der konstruktiven und der figürlichen Plastik, vermittelt, auch in der räumlichen Anordnung, Ubbo Enninga.
Juliane Sonntag, Fellbacher Zeitung, 24. Juni 1987
 
Staatsmann Hardenberg
... Ubbo Enninga hat die Büste entworfen und selbst in Bronze gegossen. Zur Vorlage nahm er sich alle Gemälde des Staatsmannes, deren er habhaft werden konnte und stellte schließlich den alten, abgeklärten Hardenberg um 1820 dar. Der Steincharakter der Bronzebüste ergibt sich aus der Bearbeitung des Gipsmodells mit Hammer und Meißel.
ug, Taunus Zeitung, 29. August 1986
 
Dicke Luft
»Dicke Luft« im wahrsten Sinne des Wortes herrschte in den Räumen des Marburger Kunstvereins. Zu der Eröffnung einer Ausstellung mit Werken von Ubbo Enninga in seiner Anwesenheit waren so viele erschienen, dass man kaum atmen konnte und der Platz kaum reichte, alle Interessierten zu fassen. ... Keine imaginative Als-ob-Lebendigkeit macht den Reiz der Plastiken aus, sondern ihr immanenter Widerspruch, das energische Spiel von empirischer Ding-Erfahrung, der Möglichkeit ihrer Ästhetisierung und der Bewußtmachung der eigentlichen Künstlichkeit von Kunst durch ihre bewußte Verfremdung. ... bewegt Enninga sich leicht wie ein Hochseiltänzer (ohne dessen Zerbrechlichkeit anzunehmen) auf einem schmalen Grad zwischen Konvention und Innovation. ... ist seine Kunst im Ganzen von einer erfrischenden ... Unbefangenheit ... die lange verschüttete Gestaltungs- und Kunstmittel noch (wieder?) unmittelbar erkämpft und behauptet.
he, Oberhessische Presse, 7. Februar 1985
 
Gipsnegativform
Der Bildhauer Enninga stellt nicht nur »pure« Ergebnisse sondern auch die Gipsnegativform einer »Susanne« aus, oder ein Gesichtsfragment des originalen Tonmodells – ein mumienhaftes Stück. Eine Figur »Stefan« probt den Aufstand des wenig geachteten Materials: In ihrer Mantelform sitzt die Tonfigur, die an den Beinen rostige Armierungen zeigt. Und gerade sie möchte man darin bestärken, so zu verharren.
ghr, Stuttgarter Zeitung, 1. März 1984
 
Monomanische Steigerung
Der Stuttgarter Bildhauer Ubbo Enninga sucht sich die unverwechselbare Eigenheit des Gegenübers durch ein Zusammenzwingen der eigenen Wesensschau mit den fremden Vorgaben zu erschließen. ... Die sichtbare Behutsamkeit, mit der Enninga Einheit zwischen Eigenempfindung und der Welt der anderen stiften will, hat auf stille Art auch einen imperialen, also gewalttätigen Zug, sofern man monomanische Steigerung, besseres Beharren auf einem emotionalen Grundzug, dem Bereich von Beherrschung und damit Gewalt zuordnen darf. ... Den Plastiken beigefügte Kopf- und Körperzeichnungen weisen Enninga als Durch-und-Durchbildhauer aus: immer streben die gebündelten Strichelungen nach außen, wollen Volumen und Selbstbehauptung im Raum.
Ulrich Wanner, Esslinger Zeitung, 23. Februar 1984
 
Sensationell
Mit der Debüt-Ausstellung des Stuttgarter Bildhauers und Bronzegießers Ubbo Enninga wurde im Esslinger Schwörhaus eine Ausstellung besonderer Art eröffnet. Es sei fast sensationell, wenn ein junger Künstler heute den Mut habe, gegenständlich zu sein.
ebe, Esslinger Zeitung, 11. Februar 1984
 
Jüngster Teilnehmer
Kleines Format - große Übersicht. Die erste Triennale Fellbach für Kleinplastik in Deutschland ... Leiter ist Heinz Fuchs, einer der besten Kenner der Plastik des 20. Jahrhunderts ... Der jüngste Teilnehmer, Ubbo Enninga, Jahrgang 1955, zeigt modellierte Gestalten in Terrakotta. Seine »Kleine Liegende« macht das Hinfällige des Menschen im wahren Wortsinne deutlich.
Doris Schmidt, Süddeutsche Zeitung, 1. August 1980
 
Originalität
Seine Werke hätten es verdient, gesondert in einer Einzelausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden. Die sichere Aufbereitung der Rohstoffe, des Metalls und die künstlerische sowie die handwerkliche Fähigkeit, in Originalität und Einmaligkeit, zeichnet Ubbo Enningas Metallarbeiten aus.
Klaus D. Henkel, Oberhessische Presse, 5. April 1976
 
Echtes Talent
Galerist Ludwig Legge hält mit Lob über seinen jüngsten Aussteller nicht hinter dem Berg: »Ubbo Enninga ist eines der wenigen echten Talente, die sich in letzter Zeit gezeigt haben.« Und tatsächlich stellt Enninga in seiner neuesten Ausstellung sein Talent mit Nachdruck unter Beweis. ... einen harmonischen Kontrapunkt zur explodierenden Aggressivität ...
eb, Hinterländer Anzeiger, 5. April 1976
 
Furore
Das Gotteswunder von Marburg sah keiner ... Objekte beherrschen die Szene ... ist an erster Stelle Ubbo Enninga zu nennen. Seine Reliefs in Buntmetallen haben bereits in Bonn Furore gemacht.
Bernd Füssel, Hinterländer Anzeiger, 21. Oktober 1975
 
Wie Magneten
... Ein ganz großes Talent scheint mit dem jungen Ubbo Enninga dem Marburger Raum heranzuwachsen. Erregte er schon vor Jahresfrist einiges Aufsehen, so ist auch diesmal sein Werk ein Anziehungspunkt für die Kunstfreunde. Seine Buntmetallreliefs ziehen immer wieder wie Magneten die Besucher an.
Peter Paletta, Oberhessische Presse, 13. August 1975